10 Dinge, die du unbedingt über Bobbel (und Wicklerinnen) wissen solltest

Was ein Bobbel ist, hab ich hier schon mal erklärt. Sie werden auch Sternchen, Sweets, Knäule und sonstwie genannt – der Name tut nichts zur Sache. Es handelt sich um Farbverlaufsgarn, welches nicht verzwirnt wird und in regelmäßigen Abständen die Farbe wechselt (daher auch Farbverlaufsgarn).

Nun bin ich ja auch schon ein Weilchen in der Branche unterwegs, und dabei fallen mir immer wieder die gleichen Dinge auf.

Daher habe ich mir die Zeit genommen, die 10 wichtigsten Dinge aufzuschreiben, die du im Umgang mit Bobbel (und deiner Wicklerin) unbedingt beachten solltest.

  1. Tu ihm nicht weh!
    Pickse nichts hinein (schon gar keine Stricknadeln, Finger oder ähnliche spitze Gegenstände), schubs ihn nicht, stoß ihn nicht, setz dich nicht drauf, gib ihn weder Kindern, Mann noch Haustieren zum Spielen – er mag das NICHT! Bobbel reagieren auf äußerliche Gewalt gerne mit Wollkotze. Und da kannst du dann noch so auf deine Wicklerin schimpfen – wenn du ihn nicht nach Ankunft in ein sauberes Bettchen legst und ihn mehrmals täglich streichelst, bis er seine Bestimmung gefunden hat, bist du selber schuld, wenn er dich nicht mehr mag! Und glaub mir, es ist nicht schön, wenn Bobbel kotzen.
  2. Bobbel sind Herdentiere
    Bobbel sind nicht gerne alleine, weder auf der Reise im dunklen Karton noch daheim im Schrank. Sie unterhalten sich einfach viel zu gerne und tauschen sich mit anderen Bobbel darüber aus, was sie mal werden möchten, wenn sie groß sind. Sei human und kaufe sie nur in der Mehrzahl ein – deine Wicklerin wird es dir danken.
  3. Bobbel lassen sich nicht fotografieren
    Egal, was deine Wicklerin auch versucht, sie wird es nie schaffen, die neueste Kreation so zu fotografieren, dass du auf den ersten Blick erkennst, WIE schön er geworden ist. Sie sind in Natur einfach noch schöner, davon kannst du getrost ausgehen. Es ist auch nicht nötig, dass bei jedem „Endlich-da“-Bild dazuzuschreiben. Alle wissen, dass die Pracht um ein vielfaches herrlicher ist als auf dem geposteten Bild.
  4. Bobbel mögen keine kompromittierenden Bilder
    Es ist echt ärgerlich, wenn man da vor sich hinarbeitet und plötzlich steht eine Schlaufe weg. Man rutscht die herum, aber die Sache wird immer schlimmer. Man zieht, man zuppelt, man hat plötzlich 50m Garn in der Hand – aber besser ist es immer noch nicht. In DIESER Situation ein Foto des armen, hilflosen Bobbels zu machen und es öffentlich durch alle Facebookgruppen zu jagen grenzt an Pornographie. Bobbel mögen das nicht – und ihre Herstellerinnen noch viel weniger. Sie fühlen sich nackt und bloßgestellt – also die Bobbel, nicht die Herstellerin.
    Besser ist es, du wendest dich mit diesen Schreckensbildern direkt an deine Wicklerin und berichtest ihr von dem Unfall.
  5. Bring deine Wicklerin nicht in Verlegenheit
    Wir Wicklerinnen bemühen uns immer, unserer Phantasie ausreichend Raum zu geben und immer neue Kreationen zu erfinden. Und dann kommst du, geliebte Kundin, hältst uns dein Handy unter die Nase mit dem Bild eines Bobbels der größten Konkurrentin (ich hab keine, ich hab nur Kolleginnen) und meinst treuherzig: „Kannst du mir das nachmachen?“
    Beachte dabei: In uns stirbt ein kleines Stückchen Glauben an unsere eigene Kreativität. „Bin ich so phantasielos, dass ich Vorlagen anderer brauche?“
    PS: NATÜRLICH wicklen wir alles nach, was uns unter die Nase gehalten wird – und da es alle machen, hat auch niemand einen Schaden dabei. Aber so ein klitzekleines bisschen lieber ist es uns allemal, wenn ihr die kauft, die wir selber erfinden.
  6. Wicklerinnen können nicht zaubern
    Ich weiß, diese Wahrheit trifft dich jetzt hart. Wir bemühen uns auch, wirklich alle Wünsche zu erfüllen (obwohl, hat schon mal einer Blattgold verarbeitet in einem Bobbel? *grübel*). Echt. Ist so. Wenn jemand kommt und grün mit orange und rosa und dazu eine Spur dunkelbraun haben möchte, kriegt er das im Normafall auch. Ja, die Wicklerin erblindet vielleicht kurzzeitig, aber das sind Kollateralschäden, damit muss man klarkommen. Aber manche Wünsche sind echt nicht zu erfüllen. Wirklich, glaubt mir. Wir schaffen es einfach nicht, alle 1,5m einen Farbwechsel durchzuführen um 230 Farben auf 200m unterzubringen. Echt nicht.
    Bitte bedenke einfach bei deiner Bestellung, dass wir für ein Knötchen auch ein wenig Platz haben müssen und stopf nicht zuviele Farben in zuwenige Laufmeter. Dein Bobbelchen wird es dir auch danken – er möchte ja hübsch sein.
  7. Bobbel haben einen eigenen Willen
    Da kannst du ruhig lachen, du wirst aus einem Bobbel, der ein Tuch werden möchten, im Leben keinen Seelenwärmer häkeln können. Das wird nix. Probier es ruhig, wenn du mir nicht glaubst. Du wirst fluchen, auftrennen, es nochmal versuchen, ihn in die Ecke pfeffern (dann denke an das erste Gebot) und es nochmal versuchen. Er wird kein Seelenwärmer. Besser ist es ihn vorher zu fragen, was er gerne werden möchte. Du machst dir und deinem Umfeld das Leben viel leichter.
  8. Kaufe nichts bei Facebook
    Facebook ist super, man kann sich austauschen, seine Projekte herzeigen, sich Inspiration holen, entfernte Verwandte finden (die plötzlich gar nicht mehr so entfernt sind), Freunde finden (die leider IMMER zu weit entfernt wohnen) und seine Wicklerin mit Fragen bombadieren. Dazu ist sie ja schließlich da. Aber – und das ist ganz wichtig – kaufe NIE NIE NIEMALS über Facebook ein. Schon gar nicht mit dem 92. Kommentar auf ein Foto, das sich zwischen 91mal „wow, wie schön“ ohnehin etwas seltsam ausnimmt. Deine Wicklerin verzweifelt daran, weint abends in die Wolle, die verknotet sich und du hast dann das Drama beim verarbeiten.
    Nein, schick ihr auch nicht mal schnell eine Privatnachricht, weil es so praktisch geht. Erstens geht die zwischen den 32 anderen „nurmalschnell“-Privatnachrichten verloren und zweitens ist es ja nur ein Akt der Höflichkeit, gleich noch ein bisschen Smalltalk zu betreiben, wenn man die Dame schon mal an der Angel hat. Versteh ich vollkommen, ich plauder auch gerne und ausgiebig. Nur muss besagte Dame spätestens am nächsten Tag nicht nur noch wissen, wer aller schnell etwas wollte, sondern auch noch einige Unterhaltungen durchscrollen, um die relevanten Fakten zu finden.
    Wenn du deine Wicklerin lieb hast, schick ihr eine Email. Die findet sie auch am nächsten Tag noch und kann deine Wünsche alsbald umsetzen. Gut, ok, das ist vielleicht etwas subjektiv, nur weil ICH das gerne so hätte. Vielleicht gibt es echt Wicklerinnen, denen das gar nichts macht und die ohnehin sämtliche Kommentare lesen und nach Bestellungen durchforsten. Ich kenn halt nur keine, drum hab ich das ein bissi pauschalisiert.
  9. Deine Wicklerin ist die Beste
    Ja, echt, ist so. Jeder hat seine Stammdealerin und es gibt niemanden, der da drüberkommt. Also zeig ihr das auch. Erzähl anderen davon, lob sie in Facebookgruppen über den grünen Klee, zeige, was du mit ihren Kreationen schönes gezaubert hast und wenn jemand fragt, sei die Erste, die sofort auf ihre weltbeste Wicklerin hinweist. Ich verrate dir jetzt ein Geheimnis: es gibt kaum etwas wertschätzenderes als Mundpropaganda und es geht mir immer wieder das Herz auf, wenn ich irgendwo lese, dass meine Arbeit empfohlen wird. Und das meine ich ausnahmsweise völlig ironielos – wir leben von guten Kritiken.
  10. Bobbel machen süchtig
    Ok, das sollte eigentlich als Warnung an erster Stelle stehen, aber ich bin ja nicht blöd und mach mir mein Geschäft kaputt. 🙂 Ja, Bobbel machen süchtig. Wenn du dich getraut hast, deinen ersten zu bestellen, wirst du dich anfangs fragen, warum da so ein Hype darum gemacht wird. Ist ja auch nur Wolle (übrigens die einzige, wo man sich über Knötchen freut). Und dann verarbeitet man den. Und will eigentlich nur mal den ersten Farbwechsel sehen. Und dann kommt man um 4 Uhr morgens wieder zu sich, hat dreiviertel eines Tuches fertig und fragt sich, wo die Zeit geblieben ist. Und die Familie. Und der Rest seines Lebens.
    Und dann braucht man Nachschub… Und das wars dann. Ab sofort bist du in der Hand deiner Wicklerin und ihr und ihren boshaften Gelüsten hilflos ausgeliefert. Wicklerinnen haben nämlich die penetrante Angewohnheit, neue Kreationen auf Facebook zu zeigen. Klar, sie wollen nicht, dass du sofort zuschlägst und den Bobbel dirket bestellst (siehe Nr.8), aber sabbern darfst du schon. Und den Onlineshop belagern und shoppen bis der Arzt kommt, auch. Oder eine Email schreiben, dass du gerade GENAU den S O F O R T brauchst.Ganz gewiefte Wicklerinnen legen dann auch noch absichtlich die Lieferzeit so weit in die Zukunft, dass man quasi nicht umhin kann, in der Zwischenzeit weitere einzukaufen, weil ohne geht es ja dann nicht mehr. Und ehe man es sich versieht, sind die Kinder aus dem Haus, der Mann in der Rente (oder auf und davon) und man selbst in einem niemals endenden Traum aus Wollbergen gefangen.
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7 comments for "10 Dinge, die du unbedingt über Bobbel (und Wicklerinnen) wissen solltest"

  1. Petra Kadioglu
    Juni 09, 2017 at 09:06 pm

    Du bist einfach die Beste !!!
    Ich liebe deine Art zu schreiben und außerdem deinen skurilen Humor, ich kann einfach nicht aufhören dir überall hin zu folgen. Ich weiß schon warum ich dich „Supergirl“ taufte.
    Viel Erfolg weiterhin und noch 100.000 Ideen mindestens <3

    • Bettina
      Juni 10, 2017 at 08:14 am

      Mit dir an meiner Seite schaff ich das! <3 <3

  2. Christopher
    Juni 09, 2017 at 11:24 pm

    Genial aber
    1. Bitte keine Mails, ich bin auch Wickler und ich möchte des schon per FB Chat
    2. So voll unisex XD Männer wickeln auch

    Ansonsten weiter so ich musste echt schmunzeln

    • Bettina
      Juni 10, 2017 at 07:31 am

      So hat (zum Glück) jeder seine Vorlieben und Besonderheiten und damit findet jede(r) Käufer(in) seinen/ihren Lieblingswickler(in)…
      🙂 🙂
      Neee, das mit dem unisex ist ja anstrengender als Frankfurter Knoten! *lach*

  3. Lexle
    Juni 10, 2017 at 07:20 am

    Was für ein herrlicher Text – und soooo wahr 😂😂😂👍👍👍

    Danke für den ersten Lacher des Tages 😉

  4. Anja
    Juni 11, 2017 at 02:43 pm

    Das ist sooo genial geschrieben 🤣🤣🤣.. aber so isses wirklich 🖒

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